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Nachrichten

07.04.2017

Dokumentarfilmwoche
Filme im Programm

Vom 19. bis 23. April findet die 14. Dokumentarfilmwoche Hamburg statt. Präsentiert werden auch vier geförderte Produktionen in der Sektion Dokland Hamburg.

»Wir öffnen neue Blickwinkel auf den Dokumentarfilm und schaffen Raum für Diskussionen und Diskurse«, schreiben die Macher*innen über das Festival. Dabei hoffen sie »auf Widerstände, Spannungen und Perspektivwechsel, denn nicht zuletzt scheint die Frage nach einer Vermittlung der Wirklichkeit durch die Medien relevanter denn je.«

In diesen Kanon reihen sich auch die vier geförderte Projekte ein, die dieses Jahr im Rahmen des Festivals zur Aufführung kommen:

66 Kinos

Philipp Hartmann, D 2016, 98 min, dt. OF

Mit seinem Essayfilm Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe begab sich Philipp Hartmann von Hamburg aus auf eine einjährige Tour durch Deutschland. Mit im Gepäck eine eigens angeschaffte kompakte Kamera, mit der er die Liebhaber-Lichtspielstätten des Landes erkundete. Ob im Alpirsbacher Klosterkino, im Münchner Werkstatt-Kino oder im Meldorfer Verzehrkino – überall begegnete Hartmann charmant- individualistischen Überzeugungstäter*innen, die das Kulturgut Kino am Leben erhalten. Sichtbar werden auch die Umbrüche der Branche. In den Vorführräumen verstauben die 35mm-Projektoren, doch die allseits vollzogene Digitalisierung hat die in sie gesetzten Hoffnungen vielerorts nicht erfüllt. Und so ist für viele Betreiber*innen ihr Kino eine »Labour of Love« hart an der Rentabilitätsgrenze. Eine filmische Reise durch die deutsche Kinolandschaft abseits der Multiplexe, ebenso sympathisch handgemacht und improvisiert wie der Betrieb vieler der besuchten Lichtspielstätten.

Casi Paraíso

Pablo Narezo, MEX/D 2016, 56 min, span. OmU

Es beginnt mit einem verloren gegangenen Rucksack voll mit altem Filmmaterial, der schließlich auf mysteriöse Weise wieder auftaucht. Die 8mm-Rollen im Rucksack dokumentieren den Alltag und die Reisen der mexikanischen Familie des Regisseurs über drei Generationen. Im Laufe des Drehs kommt durch die Geburt seiner Tochter eine fünfte Generation hinzu. Dies dient als Anlass, weitere Nachforschungen in der Vergangenheit anzustellen und sich mit dem aktuellen Geschehen in seinem Heimatland auseinanderzusetzen. Casi Paraíso ist ein Essayfilm, in dem sich 8mm-Material, Tonbandaufnahmen, Fotos, Briefe und eigene Aufnahmen mit großer Leichtigkeit zusammenfügen. Assoziativ gleitet er zwischen den Zeiten und Orten hin und her und kreiert neue Zusammenhänge. So wird gleichzeitig ein persönliches wie universelles Bild von der Familie des Filmemachers und vom Leben mit der ständig präsenten Gewalt in Mexiko gezeichnet.

Deportation Class

Carsten Rau, Hauke Wendler, D 2016, 85 min, dt.-albanische OF OmU

Eine Sammelabschiebung in Mecklenburg-Vorpommern, minutiös vorbereitet und mit erheblichem Aufwand durchgeführt. In der Nacht aufgeschreckt, werden verängstigte Menschen von Polizeibeamten zum Charterflieger gebracht, Innenminister Caffier begleitet das Zuführkommando. Man setze geltendes Recht um, so lautet das Mantra der Mitarbeiter*innen des Rückführungsmanagements. Die Beschwörung des Rechtsstaates ist zum Gutteil Selbstschutz für jene, die die aufenthaltsbeendenden Maßnahmen zu verantworten und zu vollstrecken haben. Denn unser Rechtsstaat ist für die Rückzuführenden hier nun zu Ende, und hinter der nüchternen Behördenbegrifflichkeit stehen enttäuschte Hoffnungen und menschliche Dramen. Über 20.000 Menschen wurden 2016 aus Deutschland abgeschoben, Tendenz steigend durch das System der vermeintlich sicheren Herkunftsländer. Was erwartet die Abgeschobenen in der Heimat? Das Filmteam besucht sie in Albanien, spricht mit Anwälten, Mitschülern und Lehrern in Deutschland.

Surire

Bettina Perut, Ivan Osnovikoff, CHL/D 2015, 80 min, span./aymara OmU

Der Salzsee Surire, 4300 Meter hoch in den Anden zwischen Chile und Bolivien gelegen. Hierher reicht das Funksignal nur an guten Tagen. Es ist so brüchig wie die Hornhaut unter den Füßen der wenigen Menschen, Nachfahren der indigenen Urbevölkerung, die noch dageblieben sind. Ein altes Paar – er hört schlecht, sie sieht nicht gut. Als die beiden für ein paar Tage verreisen, hütet ein Junge ihre Lamas. Sein Lohn: ein rostiges Rad. Doch er kann gar nicht Radfahren. Eine Neunzigjährige verflucht ihr Alter und verpasst ihrem Hund einen waghalsigen Haarschnitt. In das Flüstern des Windes mischt sich der Lärm der Ökonomie. Auf der anderen Seite des Sees wird Salz abgebaut. Ein Konvoi von Lastwagen wälzt sich an den Flamingos vorbei, endlos und massiv. Ein Film voller atemberaubender Totalen und aberwitziger Close-ups – über die Schönheit und den Schwund einer Landschaft und Kultur.

Die Dokumentarfilmwoche Hamburg

Die 14. Dokumentarfilmwoche Hamburg findet vom 19. bis 23. April im Metropolis, B-Movie, Lichtmess und Gängeviertel statt. Das gesamte Programm finden Sie hier.

Die Dokumentarfilmwoche wurde 2004 ins Leben gerufen und bereichert die Hamburger Kulturlandschaft seitdem mit einem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Filmprogramm. Als das einzige Festival in Hamburg und Umgebung, das sich auf den Dokumentarfilm spezialisiert hat, ist die Filmwoche ebenso einmalig als lokaler Treffpunkt für Dokumentarfilminteressierte wie als Plattform für die ansässige Filmkultur. Die Dokumentarfilmwoche zeigt sowohl kleine, abseitige und experimentelle Dokumentarfilme, als auch Höhepunkte der deutschen und internationalen Festivalszene. Ein wichtiger Fokus liegt auch auf regionalen Produktionen. 

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