22.07.2020 | Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers

Große Dramen + kleine Komödien + schräge Figuren

Mehr Hamburg geht nicht: Seit Ende Mai läuft die Serie „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" bei dem Streaming-Dienst Joyn. Komplett an der Elbe gedreht und mit großartigem Cast, haben Regisseur Julian Pörksen und die Hamburger Produktionsfirma Bon Voyage Films eine kleine Ode an die Hansestadt geschaffen.

Eigentlich fährt der Mittdreißiger Ben nur sechs Folgen lang Leute mit seinem Uber durch Hamburg – und versucht nebenbei sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Klingt erstmal nicht sonderlich spannend. Doch die Serie „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" hat einen eigenen Vibe, der ganz ohne Cliffhanger und große Spannungsbögen auskommt und den Zuschauer trotzdem nicht mehr loslässt. Hauptdarsteller Kostja Ullmann macht seine Sache dabei richtig gut, genauso wie der nicht minder prominente Cast: Auf der Rückbank nehmen unter anderem Edin Hasanovic, Pheline Roggan und Fahri Yardim Platz – letzterer ist auch als Produzent mit seiner Firma Bon Voyage Films an Bord. „Große Dramen, kleine Komödien, schräge Figuren", so beschreibt er die neue Serie kurz und knapp auf der offiziellen Website.

Die Promi-Liste der Gastauftritte ist lang: Hier nehmen Pheline Roggan und Fahri Yardim im Uber Platz

Einer der heimlichen Stars der Serie ist jedoch die Hansestadt selbst: „Wir waren immer wieder betört, wie schön Hamburg doch ist. Bei einem kleinen Zusammenschnitt unserer Drohnenaufnahmen waren wir sogar emotional richtig ergriffen", verrät Bon Voyage Films-Geschäftsführer Amir Hamz. Die Serie zeigt zudem ein diverses Hamburg in all seinen Facetten.

Drehen auf engstem Raum

Auch über das tolle Wetter sei man übrigens verwundert gewesen – als die Serie von Oktober bis November 2019 gedreht wurde, hat es die ersten vier Wochen nicht einen Tropfen geregnet. Eher ungewöhnlich für die Stadt an der Elbe. Aber optimale Bedingungen für den Dreh, da viele der Aufnahmen im Freien stattgefunden haben. „Es gab im Vorwege Überlegungen mit Joyn, ob wir die Auto-Fahraufnahmen im Studio drehen. Das hätte uns jedoch in unseren Bildauflösungsmöglichkeiten so sehr eingeschränkt, dass wir uns am Ende dagegen entschieden haben. Es wurde alles auf einem Trailer gedreht, also einem übergroßen Anhänger, der das Auto über die Straße zieht", verrät Christian Springer, der bei Bon Voyage Films ebenfalls zur Geschäftsführung gehört. Regisseur Julian Pörksen haben die Autodrehs übrigens vor eine kleine Herausforderung gestellt: Es musste oft aus dem Kofferraum heraus inszenieren, was jedoch überraschend gut geklappt habe.

Regisseur Julian Pörksen (r.) während einer Drehpause
Amir Hamz (2. Reihe 1.v.r) und Christian Springer (2. Reihe 1.v.l) auf der diesjährigen Berlinale mit dem Team des Films "Curveball – Wir machen die Wahrheit"
Der Trailer, auf dem das Auto durch Hamburg gezogen wurde

Das Ursprungskonzept der Serie stammt aus Australien, besser gesagt von einem Blog des ehemaligen australischen Uber Fahrers Ben Phillips. Auf der Berlinale 2019 ist Bon Voyage mit dem Weltvertrieb ins Gespräch gekommen, der die Serie den Bon Voyagisten erstmalig vorstellte. Man war sich sehr schnell einig, dass die Serien-Idee perfekt ins Bon Voyage-Portfolio passen würde. Wo das Original jedoch gerade bei den Hauptcharakteren oft nur an der Oberfläche kratzt, arbeitet der deutsche Ableger die Gefühlswelt der Charaktere weiter heraus und gibt der Serie, laut Hamz, mehr Tiefgang und einen roten Faden. Dabei ist jede Folge anders: Mal startet eine Szene im Auto, mal draußen – und manchmal fragt man sich, ob man überhaupt die richtige Serie eingeschaltet hat. Doch nach ein paar Minuten fühlt man sich wieder so wohlig-sicher wie beim Uber-Fahrer des Vertrauens.

Ben (Kostja Ullmann) und seine schwangere "Freundin" bzw. One-Night Stand Nadja (Claudia Eisinger)
Die Serie spielt natürlich nicht nur im Auto - Ben verschlägt es in verschiedenste Ecken von Hamburg

Auf den Regisseur Julian Pörksen ist Bon Voyage Films übrigens ebenfalls indirekt auf einer Berlinale aufmerksam geworden. 2018 lief sein Langfilmdebut „Whatever happens next" in der Perspektive-Sektion, ein Roadmovie über einen Aussteiger. „Der Film gefiel mir damals sehr gut. Über den Hamburger Produzenten und Freund Stefan Gieren haben wir dann letztendlich Kontakt zu Julian aufgenommen. Stefan war wirklich voll des Lobes – und das können wir nach unserer Zusammenarbeit mit Julian mehr als bestätigen. Ein wirklicher kluger Kollege, der mit dem bunten Schauspielensemble sehr gut zurecht gekommen ist", verrät Amir Hamz. Damit wäre Pörksen auch bestens für eine zweite Staffel geeignet, die dank guter Resonanz aktuell sehr wahrscheinlich ist. Wir wollen mehr Uber-Geschichten aus der Hansestadt und drücken alle Daumen, die wir haben.

Joyn/Bon Voyage Films
powered by webEdition CMS