v.l.n.r. Laura Fischer, Miriam Stein, Moritz Vierboom und Pheline Roggan
Die vier Gründer der Changemakers.film stehen nebeneinander vor einem schwarzen Hintergrund
11.12.2020 | Changemakers.film

Nachhaltiges Engagement

Die Hamburger Schauspielerin Pheline Roggan, die Kinogänger*innen aus Filmen wie „Kebab Connection", „Chiko" oder Fatih Akins preisgekrönter Komödie „Soul Kitchen" kennen, setzt sich aktiv für die Umsetzung grüner Maßnahmen am Filmset ein. Gemeinsam mit ihren Schauspielkolleg*innen Miriam Stein, Moritz Vierboom und der Regisseurin Laura Fischer hat sie die Initiative Changemakers.film ins Leben gerufen.

Text: Birgit Heidsiek

 „Wir möchten unsere mediale Präsenz dazu nutzen, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu tragen", sagt Pheline Roggan. Dabei ist es ihr wichtig, möglichst viele Schauspieler*innen ins Boot zu holen. Die Zielsetzungen, mit denen die Changemakers die Filmbranche anregen möchten, nachhaltiger und umweltbewusster zu arbeiten, haben sie in einer Freiwilligen Selbstverpflichtung und Erklärung zum Grünen Drehen formuliert. In dreizehn Handlungsfeldern sind zahlreiche umsetzbare Maßnahmen aufgeführt, die besonders CO2-belastende Bereiche wie Transport, Unterbringung, Catering und Technik betreffen.

Filmstill aus Fatih Akins
Pheline Roggan als Teil des "Soul Kitchen"-Ensembles. 2009 war Grünes Drehen noch kein Thema

Wir selbst sind für Veränderung verantwortlich

„Wir verpflichten uns dazu, klimaschädliche Arbeitsweisen am Set, die wir aus eigener Praxis kennen, zu vermeiden", betonen die Changemakers.film. „Wir sind gerne bereit, mit alten Gewohnheiten zu brechen und auf Luxus zu verzichten. Und wir haben keine Angst davor, uns klar zu positionieren. Für Veränderungen sind nicht 'die anderen' verantwortlich, sondern zuerst wir selber." Nach Gesprächen mit unterschiedlichen Gewerken hat sich herausgestellt, dass bisher eine klare Positionierung von Seiten der SchauspielerInnen fehlte. Diese ist jedoch nötig, um das Engagement der bereits existierenden Initiativen zu unterstützen. Um ihr Engagement für den Klimaschutz gegenüber der Produktion zu kommunizieren, können SchauspielerInnen die Erklärung zum „Grünen Drehen" zum Beispiel ihrem Vertrag beilegen.

Schauspielerin Pheline Roggan posiert vor einer grauen Wand und guckt in die Kamera
Initiatorin Phelin Roggan möchte ein Umdenken in der Filmbranche bewirken

Austausch fördern

„Wir haben mit Agenturen darüber gesprochen, wie wir am besten mit den jeweiligen Produktionen in den Dialog gehen," sagt die Initiatorin Pheline Roggan. „Wir möchten unsere Position und mediale Präsenz nutzen, um gemeinsam mit allen Gewerken eine Veränderung herbeizuführen." Den Changemakers.film geht es darum, den kreativen Austausch mit Mitgliedern aus allen Produktionsbereichen anzuregen, um eine nachhaltigere Arbeits- und Produktionsweise in der Filmbranche aktiv mitzugestalten. „Wir möchten uns offen mit den verschiedenen Gewerken austauschen und uns gegenseitig unterstützen," betont die Schauspielerin.

Studenten der HMS stehen nebeneinander und halten den Grünen Drehpass in den Händen
Frühes Heranführen ans grüne Thema: : Die HMS Absolventen 2020 wurden für ihre Abschlussfilme mit dem Grünen Drehpass der FFHSH ausgezeichnet

Eigene Kleidung ans Set mitbringen

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kommunikation. Wenn eine frühzeitige Abstimmung mit den Schauspieler*innen erfolgt, kann eine Kostümbildnerin beispielsweise in der Vorbereitung darauf verzichten, nicht sichtbare Kleidungsstücke bei Fast Fashion Firmen einzukaufen, wenn die Darsteller*nnen sich dazu bereit erklären, ihre eigenen Kleidungsstücke zu tragen. Wärmejacken werden oftmals billig von der Produktion eingekauft, um sie am Set für die Schauspieler in den Drehpausen vorzuhalten. „Es schadet nicht, die eigenen Winterjacken am Set anzuziehen", betont Pheline Roggan. „Diese Maßnahmen sind zwar kleinteilig, aber sie haben in der Masse durchaus einen Effekt." Mitunter können die SchauspielerInnen auch bestimmte Kleidungsstücke wie ihre eigene Jeans zum Dreh mitbringen. Das hat den Vorteil, dass die Kleidung sogar authentischer wirkt als eine fabrikneue Jeans, welcher die Kostümbildnerin zunächst eine getragene Patina geben muss. „Die Modeindustrie hat einen gigantischen ökologischen Fußabdruck," weiß die Schauspielerin, die dafür plädiert, dass auf den Einkauf von Billigkleidung verzichtet wird. „Es ist wichtig, dass wir umdenken und neue Muster schaffen. Dadurch können wir viele Abläufe vereinfachen und sogar Kosten sparen." Auch beim Catering können Schauspieler*innen signalisieren, dass sie beispielsweise auf Fleisch tierische Nahrungsmittel verzichten wollen, um den CO2-Abdruck der Produktion zu verringern.

Die Initiative "Changemakers. film" wächst

Eine Maskenbildnerin sei vielleicht überfordert, wenn SchauspielerInnen um Produkte bitten, die ohne Mikroplastik und Tierversuche auskommen. „Es gibt Produkte, die solche Anforderungen erfüllen, aber es muss ein stärkerer Austausch in den Gewerken erfolgen, um kreative Lösungen zu finden und das Wissen darüber zu teilen", versichert Pheline Roggan. "Wir möchten unsere Visionen und Ziele einbringen, um unsere Branche nachhaltig und vielfältig in unser aller Interesse zu verändern." Die Freiwillige Selbstverpflichtungserklärung, die in der Branche unter anderem vom Produzentenverband unterstützt worden ist, stößt auf positive Resonanz. Inzwischen haben sich schon mehr als 300 Unterzeichnerinnen der Initiative angeschlossen.

Changemakers: Joachim Gern // Porträt Pheline Roggan: Christine Kurz //
Still "Soul Kitchen": Gordon Timpen
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