Ein Vater kämpft um seine Familie und will die Wahrheit wissen: Jan Josef Liefers in „Tod von Freunden“ ab dem 7. Februar im ZDF
Schauspieler Jan Josef Liefers hält jemanden im Arm und hat eine Pistole in der Hand.
29.01.2021 | Norddeutsche Dramaserie „Tod von Freunden“ im ZDF

Ein Inselparadies gerät in Not

Geradezu als Musterbeispiel für eine große Serienproduktion am Film- und TV Standort Hamburg Schleswig-Holstein kann die siebenteilige Dramaserie „Tod von Freunden" fürs ZDF gelten, die der Hamburger Autor und Regisseur Friedemann Fromm komplett geschrieben und in der idyllischen Wasser- und Insellandschaft der Flensburger Förde in Szene gesetzt hat. Und Michael Lehmann, Vorsitzender Geschäftsführer der Studio Hamburg Production Group, hat mit dieser Produktion regelrecht Pioniergeist bewiesen.

Von Bernd Jetschin

Es ist schließlich die erste norddeutsche Serienproduktion, die in der im Vorjahr neu eingeführten Serienförderung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt werden konnte. Dem Autor und Regisseur Friedemann Fromm stand ein hochkarätiger deutsch-dänischer Cast zur Verfügung, der in den Hauptrollen der beiden Elternpaare mit Jan Josef Liefers und Katharina Schüttler sowie mit Lene Maria Christensen und Thure Lindhardt besetzt ist. „Tod von Freunden" erzählt von vier unzertrennlichen Freunden, die gemeinsam auf einer malerischen Insel in der Flensburger Förde im deutsch-dänischen Grenzgebiet zu Hause sind. Gemeinsam mit ihren Kindern leben sie auf der Insel einen paradiesischen Traum von einer Großfamilie. Die Kinder sind wie Geschwister aufgewachsen und genießen alle Freiheiten. Doch dann geschieht ein Unglück auf dem letzten Segeltörn des Jahres mit der „Orplid", dem gemeinsamen Schiff der Freunde; nachts bei unruhiger See geht der Jugendliche Kjell über Bord und wird trotz intensiver Suche nicht gefunden. Die Eltern Sabine und Bernd waren nicht mit gesegelt und wollen nun wissen, wie es geschehen konnte. Fragen nach Schuld und Versagen kommen auf, auch nach Wahrheit und Vertrauen. Durch die Tragödie zeigen sich die ersten Risse an der heilen Familienfassade und Geheimnisse und Lebenslügen nagen an den Fundamenten. Autor und Regisseur Friedemann Fromm fragt, wie wir mit der Wahrheit umgehen und wie verletzlich eine scheinbar glückliche Familienwelt ist, wenn sie auf Lügen und Geheimnis aufgebaut ist.

Der Regisseur und zwei Darsteller an einem Bootssteg.
Regisseur Friedemann Fromm mit den beiden Hauptdarstellerinnen Katharina Schüttler und Lene Maria Christensen

Thema ist die Familie als lebendiger sozialer, aber auch zerbrechlicher Organismus, wenn er unter Druck gerät. Die Familien Küster und Jensen haben sich geradezu ein Paradies erschaffen. Aber durch das Unglück holen die Schatten der Vergangenheit diese Welt wieder ein und stellen den Lebensentwurf in Frage. „Es ging mir im Kern um die Frage, wieviel wir über die Menschen in unserer nächsten Umgebung wissen und welche Auswirkungen das auf Freundschaft und die nächsten Beziehungen hat", erklärt Fromm. In der Serie ist es vor allem Bernd, der Vater des verloren gegangenen Jugendlichen, der die Wahrheit unbedingt herausfinden will. „Aber diese Wahrheit muss man auch aushalten können. Gibt es eine Grenze, wo Wahrheit toxisch wird?", fragt Fromm.

Ein Pärchen in dicker Segleruniform nachts auf einem Boot.
Besorgte Mienen des Skippers (Thure Lindhardt) und seiner Frau (Lena Maria Christensen) nach dem Unglück.

Das Hauptmotiv des Familienparadies liegt auf der dänischen Ochseninsel in der Flensburger Förde. Die Dreharbeiten für diesen Schauplatz standen aber auf der Kippe, weil die dort stehenden Gebäude, zwei Wohnhäuser und zwei Bootshallen, abgerissen werden sollten, um die Insel komplett zu renaturieren, was kurz nach Beendigung des Drehs auch geschehen ist. Dort war einmal eine alte Bootswerft. Nach Stilllegung dienten die Gebäude einer Gruppe von Aussteigern als Wohnort, die auf der Insel ein alternatives Lebensprojekt zu verwirklichen versuchten, und waren schließlich einige Jahre gar nicht mehr bewohnt, berichtet der ortskundige Regisseur, der die Serie genau auf diesen Ort hin geschrieben hat. Die dänische Behörde kooperierte mit der Produktion und wartete die Dreharbeiten ab, die allerdings unter einigem Zeitdruck im Sommer 2019 realisiert werden mussten. Zunächst galt es die gesamte Logistik und das Equipment auf die Insel zu transportieren und das Filmset dort zu errichten. Über eine eigene Fährverbindung pendelten das Team und die Schauspieler zwischen Festland und Drehort hin und her.

Kameramann mit Unterwasserkamera.
DOP Ralf Noack geht mit seiner Kamera mit über Bord und taucht auch selbst für die Unterwasseraufnahmen.

Für die dramatischen Szenen auf dem Boot wich man dann im November 2019 für eine Woche nach Griechenland aus wegen der dort herrschenden Wasser- und Lufttemperaturen. In der Ostsee wäre es dann definitiv zu kalt gewesen. „Wir haben das Boot gegenüber dem Studio mit Wasserbecken vorgezogen, um dem Stil unserer Serie treu zu bleiben, so nahe wie möglich an den Figuren zu sein und viel mit bewegter Handkamera zu filmen." Und als der Junge Kjell (Lukas Zumbrock) über Bord geht, musste auch der Kameramann mit ins Wasser, um mit einer kleinen, handlichen Blackmagic Pocket Cinema-Kamera im geschützten Wassergehäuse mitzuschwimmen. Abgesichert wurden die Akteure von einem Begleitboot mit Safety Crew. Gedreht wurde ‚day for night', das heißt die bei Tag aufgenommenen Bilder mussten hinterher beim Hamburger Studio Post Republic in nächtliche Szenen umcoloriert werden.

Boot auf offener See.
Das Segelboot Orplid, auf dem der Schüler Kjell über Bord geht

Der Regisseur, selbst passionierter Segler, besitzt übrigens Erfahrung. 2016 hatte er für den TV-Thriller „Mörderischer Stille" ebenfalls einige Szenen auf einem Segelboot verwirklicht und war dazu mit kleiner Crew und Schauspielern vor Wilhelmshaven weit in die Bucht des Jadebusens heraus gefahren. Hauptdarsteller bei diesem Dreh war übrigens auch Jan Josef Liefers, der bis zu achtmal in die kalte Nordsee springen musste. Damals herrschte im Oktober eine Wassertemperatur von 9 Grad!

Kameramann filmt ein Kanupolo-Turnier.
Großer Spaß beim Kanupolo-Turnier

Tod von Freunden" ist eine hundertprozentige Produktion der Letterbox Filmproduktion, für die Produzent Michael Lehmann weitere Unterstützer und Partner an Bord holen konnte. Zu aller erst als Koproduzenten das ZDF, das „Tod von Freunden" ab dem 7. Februar ausstrahlt und in der Mediathek zum Abruf bereit hält, und Dynamic Television als Weltvertrieb. „Starke Unterstützer dieses Projekts waren von Anfang an Norbert Himmler und Simone Emmelius vom ZDF. In der täglichen Arbeit standen uns Wolfgang Feindt und Daniel Blum als wichtige Partner beim Sender zur Seite", so Lehmann. Außerdem ist es ihm vor allem wichtig, die Leistung des Hamburger Regisseurs und Autors Friedemann Fromm als eine „Husarentat" zu würdigen, da er alle Bücher für die sieben Folgen selbst geschrieben und das Familiendrama an den Schauplätzen in der Flensburger Förde in Szene gesetzt hat: „Mit der neuen Serienförderung in Hamburg bieten sich in der Region große Chancen für die Talente und sie dient als Exzellenzförderung, mit der ein ambitionierter Produktionsstandort sich auf internationalem Niveau präsentieren kann", so der Produktionschef von Studio Hamburg.

ZDF/Letterbox Filmproduktion/ Thorsten Jander
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