17.02.2020

Die Bärenjagd kann beginnenSieben Filme auf der Berlinale 2020

Der in Hamburg lebende Regisseur Mohammad Rasoulof kann sich mit "Es gibt kein Böses" Hoffnung auf einen Goldenen Bären machen. Wie die Festivalleitung Ende Januar bekannt gegeben hat, läuft der Film im Wettbewerb der 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Insgesamt ist die FFHSH mit sieben Weltpremieren auf der Berlinale vertreten, darunter der Politthriller "Curveball" und der First Steps-Gewinner "Futur Drei".

Der Filmemacher Mohammad Rasoulof darf seit dem Herbst 2017 den Iran nicht mehr verlassen. Im vergangenen Jahr wurde er dort zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Ausschlaggebend für das Urteil war dabei die kritische Darstellung des Iran in den letzten Filmen des Regisseurs. Mit seinem neuen Drama Es gibt kein Böses (Cosmopol Film, Hamburg) läuft der in Cannes prämierte Regisseur nun im Wettbewerb der Berlinale. Im Film stellt Rasoulof in vier Episoden die Frage, inwieweit Menschen in einer autoritären Herrschaft für ihr Handeln selbst verantwortlich sind, ganz gleich, was sie anderen antun.

Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein: "Wir hoffen, dass Mohammad Rasoulof rechtzeitig aus dem Iran ausreisen darf, um an seiner eigenen Weltpremiere in Berlin teilnehmen zu können. Mit seinem Film 'Es gibt kein Böses' ist unser Standort nun das dritte Jahr in Folge im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Das sind gute Nachrichten für den Film-Norden. Mit fünf weiteren Premieren – vom Dokumentarfilm im tiefsten Russland bis hin zum queeren Coming-of-Age-Drama – präsentieren die norddeutschen Filmschaffenden die Vielfalt unserer Region. Wir senden unsere Glückwünsche an alle Filmteams!"

Johannes Nabers Spielfilm Curveball läuft auf der Berlinale als Special Gala-Premiere. Der Politthriller erzählt die wahre Geschichte eines BND-Biowaffenexperten (gespielt von Sebastian Blomberg), der durch einen internen Fehler Argumente für den Irak-Krieg 2003 lieferte. Die Produktion der Hamburger Firma Bon Voyage Films wurde in Deutschland und Marokko gedreht und mit dem Grünen Drehpass für nachhaltige Dreharbeiten ausgezeichnet.

Der First Steps-Gewinnerfilm Futur Drei (La Mosca Bianca Films, Hamburg) von Faraz Shariat feiert seine Weltpremiere im Berlinale Panorama. Der Regisseur nimmt uns mit in die Welt von Parvis, dessen Leben sich um Popkultur, queere Grindr-Dates und Raves dreht. Durch die geflüchteten Geschwister Banafshe und Amon entdeckt der Deutsch-Iraner seine Vergangenheit neu. Ein feinfühliger Film über die erste Liebe und das Leben als Migrant in Deutschland.

In der Sektion Perspektive Deutsches Kino laufen drei FFHSH-geförderte Produktionen:

Im Langfilmdebüt Schlaf vom Hamburg Media School-Absolventen Michael Venus (Junafilm, Hamburg) ist Monas Alltag geprägt von der Sorge um ihre Mutter. Auf der Suche nach Antworten kommt sie in ein Dorf, wo Mona in einem seltsamen Hotel auf einen alten Familienfluch stößt. Die Rolle der Mona übernimmt Gro Swantje Kohlhof, die Mutter spielt "Toni Erdmann"-Star Sandra Hüller. Die Produktion hat zudem einen Grünen Drehpass für nachhaltige Dreharbeiten erhalten.

Im Dokumentarfilm Garagenvolk von Natalija Yefimkina (Tamtam Film, Hamburg) erstrecken sie sich ins Unendliche: Garagen, hinter deren rostigen Toren sich alles, nur keine Autos finden. Es sind Refugien des russischen Mannes, Fluchtpunkt aus einem trostlosen Alltag und Projektionsfläche großer Träume.

Die Bundeswehrsoldatin und gebürtige Kurdin Rojda meldet sich in Daphne Charizanis Drama Im Feuer (Pallas Film, Halle) für eine Mission im Irak, um kurdische Soldatinnen auszubilden, die gegen den IS kämpfen. Niemand darf wissen, dass sie eigentlich auf der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester ist.

Daphne Charizani hat auch das Drehbuch zum geförderten Film Der Architekt von Ina Weisse geschrieben. Der Film aus dem Jahr 2008 ist neben 35 rhums (35 Shots of Rum) von Claire Denis im Jubiläums-Sonderprogramm On Transmission zu sehen.

In der Sektion Berlinale Shorts ist zudem der Film Inflorescence von HFBK-Absolvent Nicolaas Schmidt zu sehen.

 

VERANSTALTUNGEN

Explorer X
Der EFM Producers Hub kooperiert erstmals mit der Explorer Konferenz, die im Sommer 2019 in Hamburg durch den Produzentenverband, der FFHSH und Filmfest Hamburg ins Leben gerufen wurde.

European Film Market
Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein ist auf dem European Film Market im Martin Gropius-Bau am Stand von Focus Germany vertreten, dem Zusammenschluss der acht deutschen Länderförderer.

Empfänge
Während der Berlinale findet die Hamburg Tea Time in der Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg statt, sowie der Baltic Motion Empfang, zu dem das Land Schleswig-Holstein, die Filmwerkstatt Kiel und die Nordischen Filmtage Lübeck einladen.

 

Foto: Berlinale/Dirk Michael Deckbar