09.07.2020

In 31 Projekten um die WeltFörderentscheidung Gremium Director's Cut

In seiner zweiten Fördersitzung 2020 hat das Director's Cut Gremium der FFHSH 31 Projekte mit knapp 1,2 Millionen Euro gefördert. Unter den geförderten Filmen sind ein indisches Roadmovie der Hamburger Produktionsfirma Tamtam Film sowie eine kulinarische Entdeckungsreise nach Albanien von der Schleswig-Holsteinischen Filmemacherin Andrea Jeska.

Als Regisseurin und Autorin Bigna Tomschin Indien im vergangenen Jahr während der Wahlen besucht, wird sie mit einem Land konfrontiert, in dem der rechtsnationale Populismus überhandgenommen hat. Mit dem persönlichen Dokumentarfilm und Roadmovie I dreamt of a nation (120.000 Euro, Tamtam Film, Hamburg) sucht sie nach einer Antwort auf die Identitätskrise des Landes. Ihr Film "Der Esel hieß Geronimo" über die Bewohner einer kleinen Insel kurz vor Flensburg, feierte 2018 seine Weltpremiere beim DOK Leipzig.

Ein Titel wie ein Hammerschlag: In When fucking spring is in the air (100.000 Euro, Heimathafen Film & Media, Hamburg) erzählt Regisseur und Autor Danyael Sugawara von der intensiven Reise der 16-jährigen, schwangeren Kasia. Das Mädchen macht sich nach dem Tod der Oma auf, um ihre in Deutschland arbeitenden Eltern zu suchen, die sie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat – dabei kommt sie einen Familiengeheimnis auf die Spur. Das Skript schrieb Sugawara gemeinsam mit Co-Autorin Heleen Suer. Es sind 12 Drehtage in der Förderregion geplant.

Mit The Long Night (90.000 Euro, One Two Films, Berlin) gibt es eine düstere deutsch-dänische Koproduktion von Regisseur und Autor Ali Abbasi, Co-Autor ist Javad Sharifi. Abbasis Film "Border" gewann 2018 in Cannes den Hauptpreis in der Sektion „Un Certain Regard". In Hamburg wird ein Teil der Postproduktion stattfinden. 85.000 Euro Produktionsförderung erhält der Dokumentarfilm Follow Me (Flare Film, Berlin) von Joya Thome. Der Film erzählt die Geschichte zweier Mädchen auf unterschiedlichen Kontinenten, die, verbunden über ihre Bildschirme, nach Selbstverwirklichung, Anerkennung und Inspiration suchen. Das Drehbuch entstand gemeinsam mit Lydia Richter und Phillip Wunderlich. Ebenfalls 85.000 Euro gibt es für den Dokumentarfilm Wir, die Wölfe (Tiempo Filmproduktion, Hamburg) des Hamburger Filmemachers Dario Aguirre, in dem es um Zugehörigkeit, Herkunft und Familie geht. Eine kulinarische Entdeckungsreise nach Albanien unternimmt Regisseurin und Autorin Andrea Jeska in Brot, Salz und offene Herzen (65.000 Euro, Wulfmedien, Kiel). In Die fabelhafte Welt des Dr. Cadeot (60.000 Euro, Tag/Traum Filmproduktion, Köln) begibt sich die Hamburgerin Ulrike Pfeiffer in ihrem gleichnamigen Dokumentarfilm – eine Reise in die entschleunigte Welt der wild-schönen Gascogne. Der Dokumentarfilm Where is my mind (60.000 Euro, dirk manthey film, Hamburg) des Nachwuchsfilmemachers Can Mansuroglu (Co-Autorin Imke Hansen) handelt von einem Musiker mit Psychose, dessen Freunde ihm zu helfen versuchen. Um die Geschichte hinter einem Foto aus dem Zweiten Weltkrieg geht es in Die Ecke – von den Lügen der Wahrheit (20.000 Euro, Sinn Filmproduktion, Dohna) von Hamburger Regisseurin und Autorin Christa Pfafferott. Die Themen Flucht und Selbsterkundung behandelt der Dokumentarfilm Liebe Angst (15.000 Euro Freischwimmer Film, Bremen) von Sandra Prechtel. Insgesamt erhalten somit zehn Projekte Produktionsförderung in Höhe von 700.000 Euro, davon gehen 465.000 Euro an sieben Projekte unter weiblicher Regie.

In der Projektentwicklung gibt es für insgesamt sieben Projekte eine Finanzspritze: Um Kindesmissbrauch geht es in Rotkäppchen muss sterben (35.000 Euro, a little. Film production, Berlin) von der Hamburgerin Regisseurin/Autorin Charlotte Rolfes und Autorin Maike Rasch. In die Biografie von Dietrick Kuhlbrodt taucht Arne Körner aus Hamburg in dem Dokumentarfilm Nonkonform (26.000 Euro, Kinescope Film, Hamburg) ein. In dem Drama Chopper (24.000 Euro, La Mosca Bianca Films, Hamburg) erzählt der Hamburger Romeo Grünfelder aus einer Zahnarztpraxis, in der es ominöse Geister zu geben scheint. Jeweils 20.000 Projektentwicklung gehen an die Langzeitdokumentation All inclusive (Kloos & Co Nord, Hamburg) von den Hamburger Regisseuren/Autoren Tobias Lickes und Thorsten Ernst (weitere Autoren sind Gordon Volk und Malte Nieschalk) sowie die Tragikomödie Sandworms (Salz & Wellen) (Leitwolf Filmproduktion, Hamburg) von der Hamburgerin Julia Ritschel und HMS-Absolventin Cherokee Agnew. Förderung in Höhe von 18.000 Euro bekommt die Dokumentation Heaven can wait (Heimathafen Film & Media, Hamburg) von Sven Halfar aus Hamburg. 17.000 Euro gibt es für den essayistischen Dokumentarfilm Reproduktion (fünferfilm, Hamburg) von der Hamburger Filmemacherin Katharina Pethke.

Die FFHSH wird darüber hinaus sechs Drehbücher fördern: Den in einem syrischen Gefängnis spielenden Liebesfilm 2 Minuten (25.000 Euro, Bon Voyage, Hamburg) der Autor*innen Maike Rasch und Sulaiman Tadmory aus Hamburg, den Familienfilm Isänmaa – Vater(s) Land (25.000 Euro) des Hamburger Autoren Miko Zeuschner, den Episodenfilm Girlsplaining (20.000 Euro, Skalar Film, Hamburg) von HFBK-Absolvent Eike Weinreich und Co-Autorin Zora Rux, den Episodenfilm Kiosk (18.500 Euro) von Suzan Sekerci aus Hamburg, die Tragikomödie Die letzte Hochzeit (15.000 Euro) von Nazmi Kirik aus Hamburg sowie die Coming of Age-Serie Ich bin jung und brauche das Geld (15.000 Euro, Wüste Film, Hamburg) des Hamburger Autoren Emanuel Tessema.

Last but not least gab es Auswertungsförderung für acht Projekte, darunter der Berlinale-Gewinner There is no Evil (60.000 Euro, Grandfilm, Nürnberg) von Mohammad Rasoulof, Winterreise (25.000 Euro, RFF – Real Fiction Filmverleih, Köln) von Anders Oestergaard mit Bruno Ganz in seiner letzten Rolle sowie der Arthouse-Horrorfilm Schlaf (12.000 Euro, Salzgeber & Co. Medien GmbH, Berlin) von Michael Venus, der nach seiner Berlinale-Premiere jetzt zum Halloween-Wochenende in den deutschen Kinos startet.

Die detaillierte Übersicht aller geförderten Projekte ist auf der Webseite der FFHSH abrufbar.

Die Förderentscheidung trafen am 30. Juni 2020 Gabor Greiner, Manja Malz, Mia Spengler, Maryam Zaree und Helge Albers.

 

Foto: Unsplash/Sylwia Barty